
Naturgewalten
November 15, 2007The Alchemy Index Vols. I-II Fire & Water heißt sie mit vollem Namen, die neue Platte der
amerikanischen Band Thrice. Es ist die erste Hälfte des Mamutprojekts „The Alchemy Index“, welches aus insgesamt 4 EPs a 6 Songs besteht und die 4 Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft zum Thema hat.
Musikalisch führt die neue Platte konsequent die Entwicklung der Band fort, die mit Vheissu ihren Anfang nahm. Weg vom Hardcore zu mehr melodischen Teilen und vor allem mehr Experimentierfreude mit Klängen, Grooves und Songstrukturen.
Die Fire EP erinnert noch am meisten an vergangene Hardcoretage, denn sie liefert die harten, schwerwiegenden Songs. Das wird direkt beim Opener „Firebreather“ klar gemacht, wobei die Härte der Songs weder durch Doubletime-Verrenkungen am Schlagzeug noch durch Gitarrengeschredder erzeugt wird, wie man es zum Beispiel vom Metalcore kennt, sondern durch einfache und einprägsame Gitarrenriffs, die von Bass und Schlagzeug unterstützt werden. Darüber erhebt Frontmann Dustin Kensrue seine prägnante Stimme sowohl in Gesangs- als auch in Screamparts.
Lyrisch geht es auf der Fire EP um allgemeine Themen wie Freiheit, bewusste Zielsetzung, Entschlossenheit und Willensstärke. Das Element Feuer ist also nicht, wie man annehmen könnte zentrales Thema, sondern dient eher als vielseitig verwendbare Metapher. In „Burn the Fleet“ beweist Kensrue außerdem sein großes Allgemeinwissen, welches er in die Texte mit einfließen lässt, in dem er sich auf eine Aktion des spanischen Konquistadors Cortés bezieht.
Mit der Water EP begeben sich Thrice in ruhigere Gefielde und entdecken die elektronischen Klänge, um das Wasser und die Weite des Ozeans musikalisch zu vermitteln. Mit Night Diving ist sogar ein Instrumentalstück vertreten. Textlich nutzt Kensrue wie schon auf der Fire EP nun Wasser- und Ozeanmetaphorik um seine Intention zu vermitteln. Mit „Open Water“ und „Lost Continent“ findet man auf der Water EP musikalisch wie lyrisch weitere Highlights der CD. Da heißt es z.B. “ I’m starting to believe the ocean’s much like you,/cause it gives, and it takes away.“
Der letzte Song der EP ist (wie übrigens auch schon bei der Fire EP) in Form eines Sonnets verfasst.
Insgesamt ist der erste Teil des Alchemy Index meiner Meinung nach sehr gut gelungen und macht Lust auf mehr. Die Richtung, die Thrice mit Vheissu eingeschlagen haben hat sich als Bereicherung der Musik an sich herausgestellt. Die völlig unterschiedlichen, kontrastierenden Stile auf diesen ersten beiden EPs lassen das Album auch nie langweilig werden und machen es zu einem der besten Alben des Jahres 2007!