In seinem Artikel “Prophet des nächsten Weltkriegs” erläutert der Autor Jörg Lau wie und warum der New Yorker Intellektuelle Norman Podhoretz die US-Regierung von einer Bombardierung des Irans überzeugen will.
Dazu behauptet er die USA befänden sich im 4. Weltkrieg gegen den Islamofaschismus. Dieser Begriff wird schon im Artikel zurecht kritisiert, da er nicht zwischen den einzelnen Interessengruppen differenziert sondern politisch, ideologisch, religiös und persönlich motivierte Gruppen in einen Topf schmeißt und sie alle zum Feind erklärt. Eine solche Generalisierung ist der Situation allerdings nicht angemessen.
Des weiteren klagt er die Befürworter einer diplomatischen Lösung an, sie würden die “Appeasement”-Politik von 1938 wieder einführen und warnt vor den Folgen. Generell ist diese Warnung berechtigt, da diese Politik in der Tat keine Lösung hervorgebracht hat und den Ausbruch des zweiten Weltkriegs nur hinausgezögert hat. Aber wird denn momentan von den USA “Appeasement”-Politik betrieben? Die Grundlagen der “Appeasement”-Politik sind Zugeständnisse und Entgegenkommen gegenüber dem Aggressor, um einen möglichen Konflikt zu verhindern. Die USA aber kommen dem Iran nicht entgegen, sondern verhängen im Gegenteil Sanktionen, stufen den Erwerb nukleartechnischen Wissens als unakzeptabel ein und erklären sogar mit den Revolutionären Garden eine iranische Regierungsorganisation zu einer terroristischen Vereinigung. Somit sind die momentan verwendeten diplomatischen Methoden nicht mit der „Appeasement“-Politik vergleichbar und meiner Meinung nach auch bis an ihre Grenzen auszuloten, da die Erhaltung des Friedens zu unseren größten Zielen gehören sollte und gehört.
Podhoretz jedoch befürwortet einen Angriff aber nicht nur, sondern ist sich auch sicher, dass Bush den Iran noch bombardieren wird und, dass dies zu einer neuen Welle des Antiamerikanismus führen wird. Doch wie soll so ein Angriff aussehen? Amerikas Führungsrolle in der Welt ist geschwächt und es hat keine Unterstützung durch direkte Nachbarstaaten des Irans zu erwarten. Die Türkei droht in einem lokalen Konflikt mit der PKK zu versinken, in den vielleicht auch die irakischen Kurden eingreifen werden. Damit bekämpfen sich potentielle Verbündete der USA gegenseitig. Mit Ankara läuft es sowieso nicht so gut und auch kein anderes Land im Nahen Osten möchte sich auf die Seite der Amerikaner schlagen.
Was ist überhaupt das Ziel eines solchen Krieges? Die Bekämpfung des Islamofaschismus, gegen den sich die USA bereits im Weltkrieg befinden, ohne es zu wissen? Und was wäre die Motivation eines Kriegs? Aufpolierung des außenpolitischen Profils, welches durch den Irak so gelitten hat? Oder sind sich die USA nur mal wieder ihrer Verantwortung der westlichen Welt gegenüber bewusst geworden und müssen uns freundlicherweise diese Bedrohung vom Hals schaffen?
Trotz aller Vorbehalte muss man eine militärische Intervention der USA für gar nicht so unwahrscheinlich halten, wenn vielleicht auch nicht mit Podhoretz Begründung.
